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Fotograf (in) Rostock - Margit Wild

9 Fragen an Fotografin Margit Wild

Interview mit Berufsfotografen

BF: Hallo Frau Wild, was ist für Sie das Tolle am Beruf, warum sind Sie eigentlich Fotografin geworden?

Margit Wild: Der Beruf ist spannend, die Fotoaufträge niemals gleich. Ich lerne viele verschiedene Menschen und ihre Geschichten kennen und darf Sie mit meinen Bildern weitererzählen.

BF: Welche fotografische Ausbildung haben Sie und seit wann sind Sie als Fotografin selbstständig? Wie schnell kamen die ersten Aufträge?

Margit Wild: Nach der Wende musste und konnte ich endlich das Kapitel Facharbeiter für EDV schließen. In diesem Beruf war ich wirklich unglücklich. Eine Umschulung zur Medientechnikerin schien mir eine kreative Lösung für meine neue Berufsausrichtung zu sein. Und ich traf damit genau ins Schwarze. Ich hatte wieder Spaß an der Arbeit. Während der Ausbildung habe ich neben bewegten Bildern alles über die Fotografie gelernt. Mein Mentor, Hubert Dzikowski, ein DEFA-Kameramann, der alle Fotos kritisch prüfte, hat sozusagen meine Bildsprache geprägt, wofür ich jetzt noch dankbar bin. Ich habe mich 2004 selbständig gemacht nachdem ich 4 Jahre für die Pressestelle der IGA 2003 in Rostock fotografiert hatte. Die ersten Auftraggeber konnte ich gleich mitnehmen, danach ging es ganz allmählich aufwärts.

BF: Gibt es einen Bereich in der Fotografie, in dem Sie besonders gerne arbeiten?

Margit Wild: Ich fotografiere sehr gerne Menschen für Reportagen. Es ist immer wieder spannend, wenn ich zur Location komme und Menschen und Umgebung nicht kenne. Dann muss ich mich innerhalb kürzester Zeit mit einem Thema auseinandersetzen und dieses mit den passenden Bildern wiedergeben. Dabei ist mir die Authentizität sehr wichtig, also möglichst nicht einzugreifen, durch den Sucher zu beobachten und die Stimmung vor Ort weiterzureichen.

BF: Manche Aufträge sind emotional oder inhaltlich besonders schön. Hatten Sie einen Auftrag, der Ihnen besonders in Erinnerung geblieben ist?

Margit Wild: Es gibt viele schöne Aufträge. Und wenn man mich nach meinem Lieblingsbild fragt, weiß ich auch nicht recht, was ich antworten soll. Das Archiv ist groß und ich kann zu jedem Bild eine Geschichte erzählen, wie es entstanden ist, was das Besondere war. Aber den Auftrag kann ich nicht benennen. Obwohl ich z.B. gerne Landidyll-Geschichten fotografiere, fesseln mich eher Industrieaufnahmen, Menschen im Job, soziale Themen oder verschiedene Perspektiven, bei denen ich im Einsatz selbst aktiv bin, also auch mal hochhinaus muss.

BF: Sehen Sie sich als Künstler und die Fotografie als Berufung oder ist das ein ganz normaler Job?

Margit Wild: Ich sehe mich nicht als Künstler, eher als Gestalter. Das Wesentliche für ein gutes Foto ist der Blick und was man damit macht. Ohne Leidenschaft und Spaß würde ich im Angestelltenverhältnis arbeiten. Allerdings reicht es nicht, ein Hobby zum Beruf zu machen. Damit Geld zu verdienen ist ein Job, ein harter.

BF: Wie wird man als Fotograf erfolgreich und wie behauptet man sich möglichst lange?

Margit Wild: Erfolgreich bist du, wenn deine Bilder Eindrücke hinterlassen und der Kunde zufrieden ist, wenn du an deiner Qualität festhältst und an deinen Honoraren.

BF: Was dürfen Kunden von Ihnen erwarten, wenn Sie gebucht werden? Was zeichnet Ihre Fotografie aus?

Margit Wild: Ich baue eine gute Beziehung zu meinen Protagonisten auf und scherze auch mal gerne. Deshalb, würde ich sagen, ist meine Bildsprache positiv. Die Motive rufen beim Betrachter eine freundliche Stimmung hervor, auch wenn sie nachdenklich oder ernst sind.

BF: Welchen Weg raten Sie jungen Menschen, die heutzutage Fotograf werden wollen?

Margit Wild: Ganz ohne Ausbildung geht es meiner Meinung nach nicht, aber das ist auch nur ein Aspekt. Welche Ausbildung die Richtige ist, hängt ja auch von Vorerfahrungen, Begabungen, Zielen, aber auch von den finanziellen Möglichkeiten ab. Darüber hinaus hätte ich noch folgende Tipps: Überlegt, ob ihr gerne kommuniziert. Das ist absolut wichtig, wenn ihr nicht nur Produkte fotografieren wollt. Aber selbst da müsst ihr mit Auftraggebern sprechen, Ihre Wünsche erfüllen. Und seid ihr mehr ein Einzelkämpfer oder habt ihr gerne Kollegen? Die vermisse ich auch manchmal. Neben dem Fotografieren gibt es so viele zeitintensive Aufgaben (Kundenakquise, Buchhaltung, Archivierung …), die ein Fotograf zu erledigen hat, die nicht kreativ und leidenschaftlich sind. Dazu müsst ihr auch bereit sein.

BF: Was macht ein Bild für Sie zu einem guten Foto?

Margit Wild: Grundsätzlich hängt es vom Betrachter ab. Für mich ist ein Foto „gut“, wenn es harmonisch gestaltet ist.